Fragen und Antworten

Welchen Mehrwert kann ich durch die Teilnahme am KlimaStaR Milch für meinen Betrieb erzielen?

Wählt der Betrieb für die Jahre 1 u. 2 das massnahmenorientierte Basismodul, wird er mit mindestens 6'000 CHF (massnahmenorientierte Prämie + Basisprämie) pro Jahr entschädigt. Damit wird die Teilnahme an Datenerhebungen sowie die Deckung der Kosten für die Planung und Umsetzung von mind. 8 Massnahmen, davon 6 die sich erst mittel- bis langfristig auf die Betriebskennzahlen auswirken abgegolten. Falls einzelne Betriebe trotz Wahl des massnahmenorientierten Basismoduls die wirkungsorientierte Prämie von 5'500 CHF übertreffen, wird diesen bereits die höhere wirkungsorientierte Prämie ausbezahlt. Nach der Erfassung der Ausgangslage kann sich der Betrieb entscheiden ob er in den Jahren 1 u. 2 massnahmenorientiert oder gleich wirkungsorientiert abgegolten werden soll.

Bei Wahl eines wirkungsorientierten Moduls erfolgt die Abgeltung der Massnahmen über die wirkungsorientiert Prämie. Der Betrieb muss dazu seine aus der Ausgangslage gesetzten betriebsspezifischen Reduktionsziele erreichen. Bei 100% Zielerreichung besteht Anspruch auf 3 Rappen pro kg Milch, bei tieferer Zielerreichung entsprechend weniger bis zu 0 Rappen. Bei übertreffen der Zielvorgaben entsprechend mehr bis maximal 5 Rappen. Die Milchprämie wird rückwirkend aufgrund der Zielerreichung im vorangehenden Kalenderjahr auf der gelieferten Jahresmilchmenge, die dem Erstmilchkäufer verkauft wurde, ausbezahlt. Die Prämienauszahlung ist budgetorientiert, d.h. wenn Widererwarten im Mittel der Betriebe mehr als 3 Rappen Prämie resultieren, oder die Milchmenge die 60 Mio. kg übersteigt, wird die Prämie entsprechend angepasst. Die maximale Betriebsprämie beträgt 30'000 CHF pro Jahr.

Die teilnehmenden Betriebe sind grundsätzlich frei in der Wahl der zu ergreifenden Massnahmen. Damit ein Betrieb Anspruch hat auf die massnahmenorientierte Prämie hat, muss er beim Basismodul von insgesamt 17 möglichen Massnahmen mindestens 8 auswählen.

Kann ich als Bio- oder Wiesenmilchbetrieb mitmachen?

Ja. Die Erstmilchkäufer sind jedoch für die Rekrutierung verantwortlich und können Kriterien definieren, die über die Teilnahmebedingungen hinausgehen können.

Was muss ich auf meinem Betrieb tun, damit ich mitmachen kann? (Teilnahmebedingungen)

Betriebe die am RP KlimaStaR Milch teilnehmen wollen müssen:

  • ÖLN oder Bio Betrieb sein (Direktzahlungsberechtigt)

  • Den Branchenstandard „ swissmilk green" erfüllen

  • Lieferant von aaremilch AG, Zentralschweizer Milchproduzenten oder Emmi Schweiz AG sein (Bei Betrieben, die an anderen Milchkäufer liefern, benötigt es zusätzliche Abmachungen und Vereinbarungen)

  • Eine Grundmotivation zum Einsatz für klimafreundliche Milchproduktion haben

  • Vorausichtlich den Betriebszweig Milchproduktion in den nächsten 6-8 Jahren aufrechterhalten

  • Minimale EDV/IT Grundkenntnisse ausweisen (Datenerfassung erfolgt Online, Kommunikation über E-Mail )

  • Bereitschaft haben Daten für Auswertung zu liefern

  • Mind. jährlich an einem halbtägigen Workshops von RP KlimaStaR Milch teilnehmen (Beratungsanlass für den Austausch, Informationstransfer inkl. Präsentation der Ergebnisse).

  • Bereitschaft für das Projekt notwendige Daten zu sammeln, offenzulegen und fristgerecht abzuliefern.


Was muss ich leisten um die Abgeltungsprämien von KlimaStaR Milch zu bekommen?

Nach erfolgter Anmeldung und Aufnahme-Bestätigung durch die Trägerschaft wird unter Einbezug von Beratungskräften folgendermassen vorgegangen:

  1. Teilnahme an Datenerhebungs-Workshop in einem Beratungszentrum zur Bestimmung der Ausgangslage (Jahre 2019-2021)

  2. Auswahl der betriebsspezifischen Massnahmen aufgrund von Szenarienberechnungen und Festlegung der betriebsspezifischen Reduktionsziele an einem weiteren Massnahmen-Workshop.

  3. Gleichzeitig im Massnahmen-Workshop entscheiden, ob der Betrieb das Basismodul wirkungsorientiert oder massnahmenorientiert vorgehen will.

  4. Umsetzung der betriebsspezifischen Massnahmen evtl. zusammen mit Unterstützung durch die kantonale Beratung

  5. Jährlich wird Zielerreichung jeweils Ende Jahr mit dem KLIR Tool gemessen, erstmals per Ende 2022

  6. Rückwirkend wird Prämie mit dem April-Milchgeld ausbezahlt, erstmals 2023 für Messperiode 2022

Ein Betrieb im Basismodul KlimaStaR setzt sich Ziele in den Bereichen Verminderung Treibhausgasausstoss und Nahrungsmittelkonkurrenz. Beim Vertiefungsmodul KlimaStaR (gesucht sind mind. 96 Betriebe) wird zusätzlich die Verminderung der Flächenkonkurrenz als Zielgrösse eingesetzt.

Wie kann ich mir das konkrete Vorgehen für meinen Betrieb vorstellen, welche Daten muss ich liefern?

Der Betrieb meldet sein Interesse mit dem Anmeldeformular bei seinem Erstmilchkäufer an. Bei positivem Entscheid des Erstmilchkäufers, wird der Betrieb auf der Online Datenbank KLIR registriert. Als erster Schritt werden im Datenerfassung-Workshop die Betriebsdaten (Jahre 2019-2021) erhoben zu Milchviehherde, Fütterung und Hofdünger. Damit wird die Ausgangslage bestimmt: Wie setzt sich die Futterration zusammen? Mit wie vielen Kühen wird auf dem Betrieb wie viel Milch produziert? Wie setzt sich die Herde aktuell zusammen (Milchkühe, Aufzucht, Kälber für Mast). Aufgrund dieser Betriebskennzahlen, wird mit dem KLIR Tool (Online) berechnet, wie viel Treibhausgase pro kg Milch auf dem Betrieb ausgestossen werden. Nebst der Berechnung der Treibhausgase wird mit dem KLIR Tool auch die Nahrungsmittelkonkurrenz der aktuellen Futterration berechnet.

Was ist unter Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz zu verstehen?

Es entsteht überall dort eine Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz, wo auf landwirtschaftlich nutzbaren Flächen nicht das volle Potenzial für die direkte und nachhaltige menschliche Ernährung erwirtschaftet wird. Aufgrund von Effizienzgewinn ist meist aus ackerbaulichen Flächen die direkte pflanzliche Ernährung ökologisch sinnvoller als jene über eine tierische Veredelung. Die Trägerschaft engagiert sich im Ressourcenprogramm KlimaStaR Milch, damit die grösseren Zusammenhänge aufgezeigt werden können. Gerade Wiederkäuer haben vielfältige positive Einflüsse auf das landwirtschaftliche Produktionssystem in der Schweiz. Hier sollen im KlimaStaR mit der Wissenschaftlichen Begleitung durch das HAFL auch Erkenntnisse gewonnen und wissenschaftlich besser abgestützt werden.

Soll ich das Vertiefungsmodul wählen, welche Daten muss ich liefern?

Motivierte und engagierte Betriebe, können sich nach dem Datenerhebungs-Workshop und Massnahmen-Workshop für die Teilnahme am Vertiefungsmodul KlimaStaR entscheiden. Zusätzlich zur Erhebung der Daten im KLIR Tool wird hier noch die Eignung der Futterfläche für Ackerbau und darauf basierend die aktuelle Flächenkonkurrenz berechnet. Nebst den Zielbereichen Verminderung Treibhausgase und Nahrungsmittelkonkurrenz wird bei den Betrieben im Vertiefungsmodul KlimaStaR Vertiefung zusätzlich der Zielbereich Flächenkonkurrenz angefügt. Zudem erhalten die Vertiefungsbetriebe eine gesamtbetriebliche Nachhaltigkeitsanalyse (RISE).

Muss ich auf meinem Betrieb im Ackerbaugebiet die Milchproduktion reduzieren, wenn ich mitmache?

Das ist nicht das Ziel des Projekts KlimaStaR Milch. Die Trägerschaft will nach Umsetzung des Projekt gleich viel Milch produzieren, aber wenn immer möglich effizienter. Die Milchproduktion ist in der Schweiz eine sehr produktive und standortangepasste Landnutzungsart und trägt im Grasland Schweiz wesentlich zur (globalen) Ernährungssicherung und zu einer nachhaltigen Landwirtschaft bei. Sie ist zudem mit vielen Arbeitsplätzen verknüpft und für die soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit sehr wichtig. So fallen beispielsweise in Ackergebieten mehr Ackernebenprodukte an als im Berggebiet, die nur über die Kuh weiter veredelt werden können. Zudem ist eine vielfältige Fruchtfolge mit Kunstwiese und Futterbau die Basis für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion. Im KlimaStaR Vertiefungs-Modul werden deshalb nebst dem Klimaschutz und der Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz auch weitere ökologische, soziale und wirtschaftliche Kennzahlen auf den Betrieben erhoben. So sollen Synergien und Zielkonflikte hinsichtlich der umfassenden Nachhaltigkeit systematisch aufgezeigt und diskutiert werden. Im Rahmen von KlimaStar wollen wir hier das Wissen vertiefen und den politischen und gesellschaftlichen Druck praxisnah und wissenschaftlich fundiert zu entkräften versuchen. Wir sind aber auch offen und wollen uns wo immer möglich Verbesserungen zu einer effizienteren, standortgerechten Milchproduktion nicht verschliessen. Wir sind überzeugt, dass durch eine breite Kampagne zur Optimierung der Fütterung die Effizienz gesteigert werden kann und der Betrieb auch wirtschaftlich davon profitiert. Die Trägerschaft betrachtet das Ressourcenprojekt KlimaStaR Milch als Chance, uns hier als Branche weiterzuentwickeln und einer der aktiven Treiber in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion zu sein!

Ist KlimaStaR Milch ein weiteres Bundes-Programm, das nach 2027 zum Standard für alle wird?

Das Oberziel eines Ressourcenprojekts ist es, Innovation zu fördern und eine Entwicklung zu initiieren. Aus dem Agrarbudget kommen dank KlimaStaR Milch finanzielle Mittel den Milchbetrieben rund 15.7 Mio. CHF zugute. Der Milchbranche wird mit dem Projekt KlimaStar Milch die einmalige Chance geboten, ihre Zukunft nachhaltig und ressourcenschonend mitzuprägen.

Ein Betrieb, der sich anmeldet, muss Interesse an der Thematik haben und darin eine Chance sehen, einen Teil beizutragen, aktiv mitzugestalten, die Nachhaltigkeit in der Schweizer Milchbranche zu verankern. Darum investiert auch die Trägerschaft rund 4.1 Mio. CHF in dieses Projekt. In welcher Form das generierte Wissen aus dem Projekt KlimaStaR Milch nach Abschluss 2027 für finanzielle Anreizsysteme (DZV, Marktprämien), eingesetzt werden kann und soll, ist offen. Sicher wird es den Stellenwert der Schweizer Milchkühe allgemein verbessern und fundiertes Wissen liefern für eine zukunftorientierte Positonierung auf nationaler und internationaler Ebene. Ein Betrieb, der jetzt schon mitmacht, rüstet sich für die Zukunft.

Warum soll ich mich verbessern, wenn ich bereits eine fortschrittliche Milchproduktion betreibe?

Mit dem Projekt KlimaStaR baut die Branche ein landwirtorientiertes Management- und Monitoringsystem auf, das die Entwicklung aufzeichnet, die eine aus Sicht der Branche und Wissenschaft nachhaltige Entwicklung fördert. Ein Betrieb, der bereits in der Ausgangslage klimafreundlich und standortangepasster produziert, muss entsprechend weniger einsparen, um die wirkungsorientierten Prämien zu erhalten. Die Trägerschaft hat viel Wert auf ein dem Zeitgeist angepasstes Anreiz- und Abgeltungssysteme gelegt. Jeder Betrieb hat Einblick zu Vergleichszahlen seiner Betriebsgruppe und kann sich so besser einordnen.

Was passiert, wenn ich meine Ziele nicht erreiche?

Wenn die gesetzen Reduktionsziele nicht erreicht werden fallen die Abgeltungsprämien tiefer aus und können auf 0 Rp./kg Milch fallen. Milchpreisabzüge gibt es keine. Der Aufwand für Datenlieferung und Teilnahme an Workshops wird aber unabhängig von der Zielerreichung ausbezahlt (Basismodul 500 CHF/Jahr; Vertiefungsmodul 1'000 CHF/Jahr). Wenn mit allen teilnehmenden Betrieben in einem Zwischenbericht und bis zum Ende des Programms 2027 die Ziele nicht erreicht, muss dies von der Trägerschaft gegenüber dem Bund begründet werden können.

Werden Kontrollen durchgeführt?

Ja, jeder Betrieb wird während den 6 Jahren mindestens einmal kontrolliert. Die Kontrollen erfolgen durch die offiziell anerkannten ÖLN Kontrollstellen. Weitere risikobasierte Kontrollen sind eingeplant.

Was muss ich alles vorbereiten für die Kontrollen?

Mit dem sorgfältigen Eingeben der geforderten Daten in das KLIR Online kann eine gute Basis gelegt werden. Daneben braucht es Lieferscheine für zugekaufte Futter während des vorangehenden Kalenderjahres, Kraftfutterlagerbestand aufgeteilt nach einzelnen Mischfuttertypen auf dem Betrieb per 1. Januar und 31. Dezember des vorangehenden Kalenderjahres. GVE Jahres-Auszüge, Suisse Bilanz, HODUFLU Auszug für Lieferungen von Hofdünger an Biogasanlage etc.

Kann ich jederzeit aussteigen?

Nein. Wer sich für das Projekt KlimaStaR Milch anmeldet, verpflichtet sich für 6 Jahre. Betriebsaufgabe, Milchkäuferwechsel und Änderungen der Programm-Bedingungen sind mögliche Gründe für einen vorzeitigen Ausstieg.

Kann ich auch später einsteigen?

Voraussichtlich liegen genügend Anmeldungen bis zum Anmeldeschluss 18.3.2022 vor. Ein späterer Einstieg oder Anmeldung ist deshalb nicht vorgesehen.

Wer hat Zugriff auf meine Daten?

Die Betriebsdaten werden für die Erstmilchkäufer, die wissenschaftliche Begleitung und die Beratung einsehbar. Veröffentlicht werden nur anonymisierte Daten.

Ich bin verantwortlich für die Milchviehherde, mein/e Partner/in macht das Büro. Kann mein/e Partner/in an die Datenerhebungen und Workshops kommen?

Ja, es wird eine verantwortliche Ansprechperson pro Betrieb bestimmt.

Wie werden die Treibhausgasemissionen auf den Milchviehbetrieben berechnet?

Milchviehbetriebe verursachen einen grossen Anteil der Treibhausgase aus der Landwirtschaft. Um die Emissionen auf Betriebsebene zu berechnen und Reduktionsmassnahmen zu prüfen, entwickelte die HAFL im Rahmen des Projektes «KLIR - Klimaschonende und ressourceneffiziente Milchproduktion» ein Modell zur Berechnung der Emissionen und testete es auf 46 Betrieben. Eine Überblick und eine ausführlichere Beschreibung des KLIR-Tools findet sich in diesem Artikel in der Agrarforschung Schweiz. Im Ressourcenprojekt KlimaStaR Milch wird eine weiterentwickelte, auf das Projekt angepasste Version des KLIR-Tools eingesetzt.